Ich erinnere mich noch gut an diese Phase.
Ein Kollege, langjährige Führungskraft, stand plötzlich inmitten einer wirtschaftlich angespannten Situation. Unsicherheit auf allen Ebenen, Budgetkürzungen, ein Team, das dringend Orientierung gebraucht hätte. Und er? Blieb stumm. Keine Entscheidungen. Keine Richtung. Keine Haltung.
Das Resultat? Drei Kündigungen innerhalb weniger Wochen.
Nicht wegen der Krise selbst – sondern wegen der Art, wie damit umgegangen wurde. Die Mitarbeitenden fühlten sich allein gelassen, unverstanden, orientierungslos. Und das Unternehmen bezahlte teuer: Recruiting, Nachbesetzung, monatelanges Onboarding. Alles, weil Führung in dem Moment nicht stattfand.
Und genau deshalb schreibe ich heute diesen Text.
1️⃣ Krisen sind kein Ausnahmezustand mehr – sie sind das neue Normal
In einer Welt voller Dauerveränderung ist Krisenmanagement nicht mehr nur Aufgabe der Geschäftsführung oder der Kommunikationsabteilung. Jede einzelne Führungskraft steht heute in der Pflicht.
Globale Unsicherheiten, wirtschaftlicher Druck, digitale Transformation, der Fachkräftemangel – das alles passiert gleichzeitig. Wenn du heute nicht bereit bist, Führung zu übernehmen, übernimmst du stillschweigend die Verantwortungslosigkeit.
💡 Tipp: Etabliere eine Krisenkommunikation im Kleinen
Du brauchst kein ausgefeiltes Krisenmanual. Aber du brauchst eine Haltung, wie du kommunizierst, wenn Unsicherheit herrscht. Frag dich regelmäßig: – Was beschäftigt mein Team gerade? – Welche Fragen sind offen? – Was kann ich realistisch sagen – auch wenn es noch keine Lösung gibt?
Beispiel aus der Praxis: Eine Kundin von mir hat in einem Change-Prozess jeden Montag ein 10-Minuten-Update-Meeting via Teams abgehalten – kurz, ehrlich, klar. Die Wirkung? Vertrauen, Ruhe, Präsenz. Selbst ohne konkrete Antworten.
2️⃣ Fehlende Führung ist teurer als jede Fehlentscheidung
Nichts ist demotivierender als das Gefühl, dass niemand das Steuer in der Hand hat. In turbulenten Zeiten braucht ein Team keine perfekten Leaderinnen. Es braucht sichtbare.
Wenn du Entscheidungen hinauszögerst, ausweichst oder dich wegduckst, sendest du ein klares Signal: “Ich kann das nicht tragen.”
💡 Guidelines: Wie du handlungsfähig bleibst
- Triff kleine Entscheidungen bewusst: Nicht jede Entscheidung muss strategisch sein. Aber jede Entscheidung zeigt Haltung.
- Sprich Unklarheiten offen an: Sag z. B.: “Ich sehe, dass diese Situation verunsichert. Ich habe noch keine finale Antwort, aber ich halte euch auf dem Laufenden.”
- Definiere deinen Entscheidungsmodus: Bist du konsensgetrieben? Situativ? Top-down in der Krise? Kommuniziere es klar.
Beispiel: Eine Bereichsleiterin entschied sich, ein Budget vorerst zu sperren. Micht weil sie musste, sondern weil sie signalisieren wollte: “Wir setzen Prioritäten.” Ihr Team war dankbar – nicht wegen der Einschränkung, sondern wegen der dadurch vermittelten Klarheit.
3️⃣ Was moderne Teams jetzt brauchen: Halt, Klarheit und echte Verbindung
Ein Team, das gemeinsam durch schwierige Zeiten geht, braucht mehr als Zahlen. Es braucht Beziehung.
Die Top-3-Faktoren, warum Mitarbeitende laut Gallup-Studie kündigen:
1. Kein Vertrauen zur Führungskraft
2. Fehlende Anerkennung
3. Kein Gefühl von Zugehörigkeit
Und das erreichst du nicht mit reiner Zielorientierung. Sondern mit echter menschlicher Verbindung.
💡 Leitfragen für deinen Führungsalltag:
- Wen in meinem Team habe ich diese Woche persönlich gelobt?
- Habe ich bewusst nachgefragt: “Wie geht’s dir aktuell – beruflich und privat?”
- Gibt es Spannungen, über die noch niemand spricht?
Beispiel: Eine Teamleiterin in meinem Programm hat ein 1:1-Gespräch pro Woche eingeführt – ganz ohne Agenda. Der Effekt: Vertrauenszuwachs, verbesserte Stimmung, sinkender Krankenstand.
4️⃣ Skill-Pairing: Warum Empathie & Durchsetzungskraft kein Widerspruch sind
Die Vorstellung, entweder sanft oder stark sein zu müssen, hat ausgedient. Die stärksten Leaderinnen meistern genau diesen Spagat – und das mit Haltung.
Stell dir vor:
– Du beginnst ein Feedbackgespräch mit ehrlicher Wertschätzung – und sprichst klar aus, was sich ändern muss.
– Du hörst zu – und entscheidest.
– Du förderst – und forderst.
💡 Mini-Skill-Pairing-Plan
- Wähle eine Soft-Skill-Stärke (z. B. Zuhören, Empathie)
- Kombiniere sie mit einem klaren Führungsimpuls (z. B. Entscheidung, Zielklarheit)
- Definiere eine Alltagssituation, in der du beides zeigen willst
Beispiel: Eine Führungskraft hat sich vorgenommen, bei Budgetverhandlungen mit Empathie zu starten (z. B. “Ich verstehe, dass ihr mehr braucht”) – aber dennoch eine klare Entscheidung zu treffen („Der Rahmen ist trotzdem fix“). Wirkung: Klarheit und Respekt.
5️⃣ So entwickelst du Haltung – auch wenn’s stürmt
Haltung ist kein nettes Ideal – sie ist dein innerer Kompass. Und der wird genau dann sichtbar, wenn es schwer wird.
💡 Dein 3-Schritte-Plan
- Werde dir deiner Werte bewusst. Frag dich: Was ist mir in der Führung wirklich wichtig?
- Hol dir ehrliches Feedback. Frag 2 Kolleg:innen: “Wann empfindest du mich als klar – und wann als unklar?”
- Reflektiere regelmäßig. Nutze 15 Minuten pro Woche für diese Fragen:
- Wann habe ich geführt – trotz Unsicherheit?
- Wo bin ich ausgewichen?
- Was will ich nächste Woche anders machen?
Beispiel: Eine Kundin hat nach jedem Teammeeting ein Mini-Journal geführt: “Was war meine stärkste Haltung heute – und wo war ich zu still?” Ergebnis: mehr Bewusstsein, mehr Präsenz, mehr Führung.
✨ Fazit: Haltung ist kein Soft-Thema – sie ist harte Währung
Wir können es uns nicht mehr leisten, Führung dem Zufall zu überlassen. Nicht in Zeiten, in denen Unsicherheit zur Norm geworden ist.
👉 Was es jetzt braucht, sind Leaderinnen mit Rückgrat UND Herz.
👉 Frauen, die führen wollen – nicht aus Eitelkeit, sondern aus echter Verantwortung.
Du musst nicht perfekt sein.
Aber du darfst Haltung zeigen. Und genau das ist heute dein größter Erfolgsfaktor.